Herr Lobo hatte wieder einen Preßvorgang

… und der Spiegel — Sturmgeschütz der NATO-Narrative — macht seinem Namen als Presseorgan alle Ehre und gibt das Abgesonderte als Kolumne wieder. Und das auch noch ausgerechnet am 20.4. … aber das kann ich auch: 8.5.!

Was man von seinem Abgesonderten zu denken hat, kann man schon erahnen wenn Herr Lobo bereits im ersten Absatz Mahatma Ghandi als “sagenhafte Knalltüte” tituliert.

Aber es ergeben sich auch Fragen. Er meint beispielsweise auf ein Zitat von Michael Müller (SPD):

Schnell? Also bereits nach wenigen Zehntausend Toten, gefolterten, vergewaltigten, ermordeten Zivilist*innen, massenhaften Kriegsverbrechen?

Geht es Herrn Lobo hier um die ukrainischen Staatsbürger1 welche im anfangs euphemistisch Anti-Terror-Operation getauften2 innerukrainischen Konflikt Dank ihrer eigenen Regierung gestorben sind? Nach UN-Zahlen sind wir aktuell bei etwa vierzehntausend Ukrainern?

Ich vermute eher nicht, denn der Konflikt wurde von unseren Medien — auch dem Spiegel — maßgeblich ignoriert und totgeschwiegen3 oder davon allenfalls spärlich und tendenziös berichtet. Und jene Ostukrainer wurden häufig einfach als Separatisten, Aufständische oder schlimmeres tituliert, ohne die Entstehungsgeschichte und Hintergründe zu beleuchten. Diese Ukrainer waren in den Augen ihrer eigenen Zentralregierung in Kiew bereits keine Ukrainer mehr4 und mehrheitlich auch nicht in den wenigen Berichten die sich dazu in unseren Medien finden lassen. Seitens der ukrainischen Nationalisten und Nazis waren sie ohnehin seit jeher Russen und damit der Feind. Also sind diese getöteten (Ost-)Ukrainer wohl nicht gemeint. Woher stammen also diese Zahlen, die ich zuvor in dieser Höhe noch nirgends finden konnte? … und auf welche Opfer beziehen sie sich?

Nun ja, ich denke als Lumpenpazifist habe ich eine gewisse Ahnung woher die Zahlen stammen könnten. Vielleicht aus dem NATO-Hauptquartier? Oder eher mittelbar aus deren Presseorganen? Da kann ich mit NATO- und Rüstungsapologeten wie Herrn Lobo natürlich nicht mithalten. Solche fragwürdigen Kontakte habe ich natürlich nicht.

Kriegsverbrechen gibt es in jedem Krieg, das ist eine Binsenweisheit. Komm und sieh. Nur traue ich den Tschetschenen die auf russischer Seite kämpfen ebenso wie den Georgiern auf ukrainischer Seite und den reinrassig-ukrainischen Nazis aus den Regimentern/Bataillonen Ajdar5 und Asow Kriegsverbrechen der schlimmsten Art zu. Teils sind solche auch schon aktenkundig und ihre “Reputation” eilt ihnen voraus. Und wie bei allen kriegsgeilen Idioten rühmen sich beide Seiten auch noch mit ihren Untaten, teils in den sogenannten sozialen Medien. Wer das nicht glaubt, darf einschlägige Kanäle und Webseiten gern einmal frequentieren — Sprachkenntnisse vorausgesetzt. Aber bei den teils doch sehr ausdrucksstarken Bildern sind Sprachkenntnisse auch nicht immer notwendig. Ich habe mal ein paar Tage auf beiden Seiten mitgelesen und war schockiert. Die Barbarei, welche man hierzulande6 gern allein Rußland zuschreibt, grassiert ebenfalls unter den kriegsgeilen Idioten unter den Ukrainern und jenen die auf ihrer Seite kämpfen. Außerdem befürchte ich, den getöteten Menschen ist am Ende ihres Lebens herzlich egal von welcher Seite der Schuß abgegeben wurde.

Nur eines fragte ich mich bei und nach der Lektüre seines … Ergusses … ob und wie sehr der Autor sein Kind liebt, welches er laut Wikipedia-Artikel hat. Meine Frage zielt darauf ab, ob dem Autoren nicht klar ist daß Berlin im Falle der nuklearen Apokalypse sicherlich von gleich mehreren nuklearen Sprengköpfen verheert würde7. Wenn erst einmal im eigenen Berliner Bezirk die Atompilze sprießen, hilft auch keine coole Sonnenbrille, Irokesenschnitt und “Lumpenpazifisten!”-Gezeter mehr. Und vermutlich ist es einem — falls man es überlebt — in diesem Fall auch auf absehbare Zeit recht egal welche Seite zuerst auf den Knopf gedrückt hat.

Ich weiß jedenfalls, daß mir herzlich egal wäre wer auf den Knopf gedrückt um mich und meine Familie zu vernichten, oder schlimmer zu verletzen, auseinanderzureißen oder bis zum Lebensende leiden zu lassen.

Ich mag jene Ukrainer die ich kennenlernte als ich dort studierte und auch die meisten welche nach meiner Rückkehr dazukamen. Ich mochte ihre Art und wie auch in der russischen Alltagssprache das als H gesprochene G als sympathische Eigenheit durchschien. Ich mochte nicht die verbreitete Korruption, welche ich bereits in den ersten Wochen vom feinsten zu spüren bekam. Als ich dort studierte, gab es diese Animositäten zwischen Russen und Ukrainern noch nicht in der Form die mittlerweile seit einigen Jahren üblich war. Das lag sicher auch daran, daß ich nicht in den ehemaligen und neuerdings wieder neu erblühten Bandera-Hochburgen weilte und ohnehin damals die Zukunft noch rosiger aussah, vor “9/11”.

Aber genau deshalb will ich nicht, daß die USA und deren NATO-Lakaien ihren Stellvertreterkrieg bis zum letzten Ukrainer und der totalen Zerstörung dieses Landes in die Länge zieht.

Und wie ein Kompromiß aussehen könnte, wollte Herr Lobo wissen. Nun geht man von den Bekundungen beider Seiten bis etwa Ende März aus, war klar wie der aussehen könnte. Und hätte man sich, statt den großen Plänen von Scharfmachern ala Zbigniew Brzesinski, George Friedman und der RAND Corporation zu folgen, nur ein einziges Mal ernsthaft mit den — damals noch moderateren — Forderungen der Russen auf diplomatischem Parkett auseinandergesetzt, hätte es zum Krieg nicht kommen müssen. Aber wen juckt in den USA schon die Ukraine? Außer vielleicht als Figur auf dem großen Schachbrett Brzesinskis?! Das sogenannte Hilfspaket — alias Sozialismus für die US-Waffenindustrie — welches Biden ausgerechnet am 9.5. zu unterzeichnen gedenkt, wurde bereits im Januar 20228 angeleiert und wird Generationen von Ukrainern in Schuldenabhängigkeit stürzen9. Beim IWF und der Weltbank haben die Sektkorken vermutlich ohnehin bereits geknallt, ebenso wie in den Villen der Rüstungsindustriellen. So ist niemandem geholfen, außer der Waffenindustrie und den US-Interessen.

Schön, daß der Spiegel NATO- und Rüstungslobbyisten wie Herrn Lobo ein Forum gibt. Das diente der Abbildung der Meinungsvielfalt, kämen nicht geradezu immer die Sichtweisen und Argumente der so betitelten Lumpenpazifisten zu kurz.

// Oliver

PS: 2009 war ich zuletzt in der Ukraine. Heute würde ich mich nicht mehr hintrauen. Das galt übrigens bereits vor dem 2022-02-24. Wer die Entwicklungen dort, insbesondere seit 2013, verfolgt hat könnte eventuell eine Idee haben warum dem so ist.

  1. inzwischen teils, passend zur Alltagssprache, mit zusätzlicher russischer Staatsbürgerschaft []
  2. ja, nicht nur die Russen können Euphemismen für Gewaltanwendung []
  3. Stichwort: Lückenpresse []
  4. ziehen lassen wollte man sie aber offenbar auch nicht []
  5. Ajdar wird ja gern heutzutage vergessen, warum auch immer []
  6. und seitens ukrainischer Regierungsvertreter und -berater []
  7. Ich würde sogar stark davon ausgehen, daß dies nicht exklusiv aus östlicher Richtung geschähe. []
  8. Gibt das jemandem zu denken? []
  9. Ein Land welches schon jetzt mit – je nach Schätzung – 48, 80 oder gar 90% des Bruttoinlandsprodukts verschuldet ist []
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